Sohnemann wollte Fußball spielen. Dürfte ja kein Problem sein, dachten wir uns. Immerhin haben wir in unserem Stadtteil einen sehr aktiven und profilierten Sportverein, den dortigen Schwimmkurs besucht Hüttmann Junior schon länger, machte gerade sein Bronze-Abzeichen.
Nach langem Hin und her konnte Frau mit dem Jugendwart und Obertrainer endlich einen Termin ausmachen für ein “Probetraining”: Sonntag 10:30 Uhr. Halleluja. Musste meinen geliebten Sonntagslauf sogar kürzen, um rechtzeitig Sohnemann abliefern zu können. Was tut man nicht alles für den Nachwuchs.
Um 12:30 Uhr habe ich dann Hüttmann Junior wieder abgeholt und wurde vom Supertrainer zur Seite genommen. Diese Mannschaft sei ja die STÄRKSTE Mannschaft des Vereins, die Spieler bereits seit 4 JAHREN eine eingeschworene Gemeinschaft. Sohnemann konnte gar nicht richtig mitspielen, musste vom Elitetrainer separat beschäftigt werden. Er drückte mir noch die Kontaktadresse einer schwächeren Mannschaft in die Hände, setzte seine Ray Ban wieder auf und eilte wieder zu seinen zukünftigen Tabellenführern. Zu denen wie zufällig auch sein Sohn gehört.
Hallo? Wir reden hier von Siebenjährigen! Das muss doch möglich sein, einfach nur Fußball zu spielen, auch wenn man sich NICHT bereits mit drei (!) Jahren in die “Obhut” eines Power Coaches begibt. Jugendarbeit ist völlig ok, Vereinsarbeit auch (mach’ ich ja tauchmäßig auch), aber eventuelle persönliche Defizite durch Projektion seiner früheren Ambitionen auf den Nachwuchs zu kompensieren, finde ich ziemlich ärmlich.
Ich durfte dann auf dem Rückweg Sohnemann erklären, warum er NICHT mitspielen darf.
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